Ein Erfahrungsbericht einer Praktikatin

Juni 2016.
Ich, w, 18, bekomme stolz wie Oskar mein Abi-Zeugnis überreicht.
„Die größte Hürde ist geschafft“, denke ich.
Und „Nichts kann mich stoppen“.

Februar 2018.
Ich, w, 20, stehe nervös vor der Tür meiner Praktikumsstelle für die nächsten 5 Wochen.
„Auf in ein neues Abenteuer“, denke ich.
Und „Hoffentlich blamier ich mich nicht schon innerhalb der ersten fünf Minuten“

Was dazwischen geschah:

Als das Abi langsam aber sicher näherkam, stand ich vor meiner bisher größten Entscheidung:
Was will ich mit meinem Leben anfangen?
Ausbildung? Studium? Ins Ausland? FSJ? Erst mal arbeiten?

Letztlich fiel die Wahl auf den Studiengang Medienmanagement.
Filmemacherin, Medienschaffende, kreativer Kopf – das will ich sein.
Also hieß es: Raus aus dem Nest, ab in die große weite Welt!

Und nun, 1,5 Jahre später, hat es mich zurück in die Heimat gezogen. Wenn auch „nur“ für die Semesterferien.
Was ich dort mache? Dazu später mehr.

Im Idealfall geht mein Leben ungefähr so weiter:

April 2020.
Ich, w, 22, nehme mein Bachelorzeugnis in Empfang und starte glücklich und zufrieden in mein Arbeitsleben.

Doch spätestens dann werde ich wieder vor der Wahl stehen:
Was ist mir wichtig? Wohin will ich? Was will ich erreichen?

An dieser Stelle möchte ich eine kleine Lebensweisheit mit euch teilen, die uns ein Prof mit auf den Weg gegeben hat:

Seiner Aussage nach gibt es 3 Hauptfaktoren in einem Job: Gehalt, Tätigkeit und Ort.
Und die schlechte Nachricht ist: Man wir vermutlich nie an eine Stelle kommen, die die drei Faktoren zur völligen Zufriedenheit erfüllt. Also quasi die eierlegende Wollmilch-Arbeitsstelle, dieser EINE Job, bei dem einfach alles stimmt: in der Stadt meiner Träume, mit den aufregendsten aller Aufgaben und zudem noch mit so viel Geld, dass ich darin schwimmen kann.
Diagnose: Leider unwahrscheinlich.

Also muss ich Prioritäten setzen. Ist mir ein möglichst hohes Gehalt wichtiger als nette Kollegen? Arbeite ich lieber als Tellerwäscher in New York oder als CEO in Kaffhausen? Ist CEO zu sein überhaupt mein Ziel? Und ist New York nicht sowieso eine viel zu stressige Stadt für mich?

Diese Entscheidungen muss jeder für sich selbst treffen. Und sie werden sich vermutlich im Lauf des Lebens immer mal wieder verändern. Gut möglich, dass uns mit Anfang 20 andere Dinge wichtig sind als mit Ende 40. Wer weiß…

Ich für meinen Teil weiß allerdings, dass ich möglichst viel kennenlernen möchte, bevor ich mich entscheide.

Praktika sind meiner Erfahrung nach hierfür die beste Möglichkeit. Ihr könnt herausfinden, was ihr wirklich wollt, worin ihr gut seid und was euch Spaß macht. Ihr könnt Berufe kennenlernen, kommt mit Leuten ins Gespräch, die den Arbeitsalltag in der Branche kennen und all das ohne längerfristige Verpflichtungen.

Deshalb also startete ich an einem Dienstagmorgen im Februar 2018 in ein freiwilliges Praktikum bei Carpe verba!.

Von der „Nichts kann mich stoppen“-Mentalität, die ich bei der Abiturverleihung nach außen getragen habe, ist nichts mehr zu spüren. Ich bin nervös.
Ich verlasse meine Comfort-Zone und werde mich für die nächsten fünf Wochen in ein Abenteuer stürzen. Das bedeutet zwar morgens aufstehen zu müssen, obwohl man Ferien hat, sich auf etwas Neues einzulassen und am ersten Tag nervös vor der Tür zu stehen, doch es hat sich rückblickend noch immer gelohnt. Genauso auch dieses Mal.

Mein Fazit:
Ich konnte praktische Einblicke in ein Berufsfeld gewinnen, mit dem ich vorher noch nie wirklich in Berührung gekommen war: Coaching, Training und Consulting.
Nun kenne ich den Unterschied zwischen Coaching und Training, verbinde mit pyramidaler Kommunikation mehr als nur Wüste und habe eine konkrete Vorstellung von Dingen wie Agilität, Resilienz und Lean Management.

Viele der Dinge, die ich lernen durfte, kann ich zudem super privat in meinen Alltag integrieren und - on top - habe ich mich selbst und meine Arbeitsweise wieder ein bisschen besser kennengelernt. Aber nicht nur mich selbst, sondern auch eine Menge richtig netter Leute.

Gegen Ende dann ein Highlight: Ich durfte bei einem Workshop zum Thema „Bewerbungsgespräche erfolgreich meistern“ hospitieren. Hier konnte ich „meine“ Firma einmal zur Abwechslung aus dem Blickwinkel der Kunden sehen und einige interessante Dinge zum Thema Bewerbungsablauf lernen. Zudem wurde meine Bewerbungsmappe dank hilfreicher Tipps auf das nächste Level gehoben und ich bin nun deutlich zuversichtlicher, was die Bewerbungen für mein Praxissemester angeht.

Ich starte also, bepackt mit neuen Eindrücken, Erfahrungen und Wissen in mein 4. Semester.
Und das verpasste Ausschlafen werde ich dann zwangsläufig dort nachholen müssen.

Milena Tyl